Erlangen/Fürth (pr) – „Solche Möbel hätte man gerne zu Hause“, befand Claus Fleischmann (Fürth). Viele Ehrengäste waren ebenso beeindruckt wie der Obermeister, was 48 Lehrlinge aus Betrieben seiner Schreiner-Innung Mittelfranken-Mitte, elf aus der Nachbarinnung Erlangen sowie sieben im Berufsbildungswerk (BBW) Nürnberg ausgebildete Fachpraktiker/innen für Holzverarbeitung als Gesellenstücke vorgelegt hatten. In 80 Stunden Arbeit entstanden moderne Sideboards, stylishe ovale Tischchen als Wohn-Accessoires oder handwerklich anspruchsvoll hergestellte Bettgestelle mit Schwalbenschwanzverbindungen. All das präsentierten die Junghandwerker bei einer beeindruckenden Werkschau dem breiten Publikum.
Gut 350 Besucher – Ausbilder, Familienangehörige und Freunde der Azubis – drängten sich denn auch vier Stunden lang in der größten Gesellenstückausstellung Nordbayerns in der Werkhalle der Dienstleistungsfirma Schachermayer Am Weichselgarten im Erlanger Süden. Die Vielfalt der Kreationen reichte vom Raumteiler mit Bücherborden bis zur Hobelbank. Dafür verdienten sich die jungen Leute viel Lob, u.a. von Lehrlingswart Andreas Sauber (Stein) und von Schachermayer-Innendienstleiterin Antje Homann, die die in den Werken gezeigte „Leidenschaft und Herzblut“ lobte.
„Das ist der Hammer“, begeisterte sich Thomas Pirner, Präsident der Handwerkskammer für Mittelfranken und Landtagsabgeordneter (CSU). Mit ihrem Können nach 3-3,5 Jahren Lehre und ihrem Ehrgeiz sei für die Junggesellen der Weg frei zu einer Karriere bis zu Meisterprüfung und Selbstständigkeit.
Erlangens Oberbürgermeister Dr. Florian Janik (SPD) nannte die Ausstellung einen Beleg dafür, wie wichtig das Handwerk sei – dessen riesiger Strauß an Perspektiven sollte Eltern mit ihrer Fixierung auf Gymnasium und Uni zum Nachdenken bringen. Auf solche Leistungen seien viele Akademiker neidisch.
Dietmar Helm (CSU), 3. Bürgermeister der Stadt Fürth, unterstrich, mit einer Meisterprüfung hätten Handwerker auch die Hochschulreife, dann stünden noch mehr attraktive Wege offen. Die tollen Schaustücke aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz belegten auch, wie gut das duale Ausbildungssystem funktioniere.
Der stv. Fürther Landrat Franz X. Formann (FW) erkannte als Hobbyschreiner viele Feinheiten in den Werken der Azubis – wie die Verwendung einer japanischen Säge. Das zeige Offenheit, Leidenschaft und Einsatzfreude.
Dr. Nasser Ahmed (SPD) gratulierte als Vertreter des Nürnberger Stadtrates zu so viel Kreativität und Fachwissen. Das untermauere, wie gut das Handwerk und die Region für die Zukunft aufgestellt seien – solche Qualitätsleistungen kriege keine Künstliche Intelligenz hin.
Überreicht wurden im Rahmen der vierstündigen Ausstellung auch Preise im Gestaltungswettbewerb „Die gute Form“, in dem die Harmonie der Dimensionen zählt. Den ersten Preis, der zur Teilnahme am Bayern-Finale in München berechtigt, verlieh die Jury aus zwei Architekten und Schreinermeister Thomas Pogner an Fabian Knorr (Rudolf Steiner Schulverein Nürnberg) für ein Sideboard mit sehr dezidierter, bewusst reduzierter Gestaltung und LED-Beleuchtung. Gemeinsame Zweite wurden Mario Bernard (Schreinerei Eberlein, Nürnberg) für ein edles Sidebord mit Holz-Auszug und Lilli Rupp (Schreinerei LIGNOA, Rückersdorf) für einen zeitlos modernen Sessel mit gebogenen Lehnen und grünem Bezug. Dritter wurde Nikita Klein (Schreinerei Pogner, Nürnberg) für einen Tisch mit integrierter Linoleum-Platte. Belobigungen erhielten Carla Höcherl (Staatstheater Nürnberg) für eine elegante hochformatige Schrank-Vitrinen-Kombi, Andreas Kestler (Staatstheater Nürnberg) für eine ebenso solide wie schöne Hobelbank aus heimischen Hölzern und Anna Liza Reutlinger (Schreinerei Scheuerpflug und Freymann, Nürnberg) für eine gelungene Hängeschrank-Kombi aus Holz und Textil.
Die Schachermayer GmbH verlieh zudem drei Sachpreise für „Lieblingsstücke“ – diese erhielten Felix Utzmann (Jugendwerkstatt Erlangen), Carla Höcherl und Mario Bernard.
Freuen dürfen sich die Schreiner über stabile Lehrlingszahlen – ca. 70 sind es im neuen Schuljahr in den Berufsschulen Nürnberg und Fürth; insgesamt zählt man in drei Lehrjahren über 250 Azubis.
www.schreinerinnung-mittelfranken-mitte.de