06.08.2026

Seminar Brandschutz

Damit aus Funkenflug kein Existenzrisiko wird

Brandschutz-Fachmann Thomas Pöllot skizzierte die Grundlagen für Industriegebäude wie Schreinereien.

Damit aus Funkenflug kein Existenzrisiko wird

Experten-Trio informierte Schreiner-Innung Mittelfranken-Mitte über Brandschutz im Betrieb – Rettungswege und Löschanlagen

 

Fürth (pr) – Sägespäne, Holzstaub, heiße Maschinen und Funkenflug: Schreinereien sind brandgefährdeter als andere Handwerksbetriebe. Worauf achten, wie sich absichern? Die Schreiner-Innung Mittelfranken-Mitte bot ihren Innungsmitgliedern dazu in der Schreinerei Popp (Fürth) eine Infoveranstaltung zum Thema „Brandschutz in der Schreinerwerkstatt – hab ich schon alles getan?“ an, bei der drei Fachleute neben den rechtlich vorgeschriebenen Brandschutzvorkehrungen in der Werkstatt auch über den passenden Versicherungsschutz für den Brandfall informierten.

 

Vorgaben für Betriebe

Die baulichen Erfordernisse im Bereich Brandschutz in einer Schreinerei skizzierte Thomas Pöllot, Sachgebietsleiter für Feuerbeschau und vorbeugenden Brandschutz bei der Bauaufsicht der Stadt Fürth. Grundlage dafür ist Artikel 12 der Bayerischen Bauordnung. Ziele: das Entstehen von Bränden vermeiden; die Ausbreitung von Rauch und Feuer verhindern; das Retten von Menschen und Tieren und wirksame Löschmaßnahmen ermöglichen. Dazu müssen Gebäudeteile feuerhemmend, hochfeuerhemmend oder sogar feuerbeständig ausgestattet sein.

 

Diese Vorschriften gelten auch für Sonderbauten wie Industriehallen mit mehr als 1600 qm Fläche, mit Regalen mit mehr als 7,50 m Höhe und gelagerten Stoffen mit erhöhter Brandgefahr. All dies kann auf Schreinereien zutreffen. Dann müssen in jedem Geschoss mindestens zwei voneinander unabhängige Rettungswege ins Freie vorhanden sein, Zufahrtswege für die Feuerwehr und die Höhe ihrer Leitern (max. 23 m) berücksichtigt werden. Abschnitte von maximal 40 x 40 m müssen mittels Brand- bzw. Trennwänden (inkl. Brandschutztüren und Tore) getrennt werden.

 

Nach Pöllots Angaben erfordern in Schreinereien Silos für Holzstaub und -späne aufgrund akuter Explosions- und Brandgefahr besondere bauliche und technische Brandschutzmaßnahmen. Der Schutz umfasst den Einsatz von Explosionsentlastungsklappen, Rückschlagklappen und automatischen Löschanlagen sowie die Einhaltung baulicher Abstände oder Feuerwiderstandsklassen zu Nachbargebäuden.

 

Absaugleitungen zwischen den Maschinen und dem Silo müssen mit automatischen Rückschlagklappen versehen sein. Sie verhindern, dass ein Brand vom Silo zurück in die Werkstatt oder die Produktionshalle schlägt. Alle Anlagenteile (Rohrleitungen, Silo, Filter) müssen geerdet sein, um die Zündung von Holzstaub durch statische Aufladung zu vermeiden. Fest montierte, automatische Löschanlagen (z.B. Wassernebel- oder Inertgas-Löschanlagen) sind vorgeschrieben. Betreiber sind auch verpflichtet, ein Explosionsschutzdokument zu führen, in dem alle Zonen, Risiken und Schutzmaßnahmen dokumentiert sind.

 

Löscher und Helfer

Der zweite Referent Thomas Blösel (Blösel Brandschutz, Lauf an der Pegnitz) vermittelte den Zuhörern praxisnahe, rechtssichere und wirtschaftlich sinnvolle Lösungen für den Brandschutz in ihrem Betrieb. Vorbeugender Brandschutz sollte nach Angaben des Experten weit mehr als die Bereitstellung von Feuerlöschern und eine lästige Pflicht sein: „Entscheidend ist ein ganzheitliches Konzept, das sowohl den Schutz der Mitarbeiter als auch den langfristigen Erhalt des Unternehmens sicherstellt.“

 

Ein Schwerpunkt des Vortrags war die Ausbildung und regelmäßige Unterweisung von Brandschutzhelfern, die ein wichtiger Bestandteil der betrieblichen Sicherheitsorganisation sind. Im Ernstfall können sie durch schnelles und richtiges Handeln Menschenleben retten und Sachschäden erheblich reduzieren. Ein weiterer wichtiger Baustein sind Gefährdungsbeurteilungen, mit denen betriebliche Brandgefahren frühzeitig erkannt und geeignete Schutzmaßnahmen festgelegt werden können. Gerade in Schreinereien mit ihrer erhöhten Brandlast durch Holz, Holzstaub, Lacke und Maschinen ist eine regelmäßige Bewertung der Risiken ein wesentlicher Bestandteil des vorbeugenden Brandschutzes.

 

Besonders großes Interesse weckten die von Blösel vorgestellten „Brandschutzbegehungen“ mit strukturierter Checkliste, die er als externer Brandschutzbeauftragter direkt in den Betrieben durchführt. Anhand dieses systematischen Vorgehens lassen sich Mängel frühzeitig erkennen, gesetzliche Anforderungen überprüfen und gemeinsam mit den Firmen praktikable Lösungen entwickeln. Dieser kooperative Ansatz lässt sich unkompliziert in den Betriebsalltag integrieren und sorgt zugleich für mehr Sicherheit.

 

Darüber hinaus wurden die gesetzlichen Anforderungen an Feuerlöscher, Flucht- und Rettungswege, Brandschutzordnungen, Rauchwarnmelder sowie die regelmäßige Prüfung sicherheitstechnischer Einrichtungen erläutert. Beispiele aus der Praxis zeigten typische Schwachstellen und einfache Verbesserungsmöglichkeiten auf.

 

Versicherung wichtig

„Brandschutz und Gebäudeversicherung – ein wichtiger Baustein in Ihrem Versicherungspaket“ betitelte Achim Bögner, Regionaldirektor der Landesdirektion Bayern & Thüringen der Münchener Verein Versicherungsgruppe, seinen Vortrag. Der Versicherer wurde 1922 gegründet – als genossenschaftliche Selbsthilfeeinrichtung für Handwerk und Gewerbe. Seit Jahrzehnten arbeitet man mit vielfältigen Gremien, Organen und Experten im Handwerk zusammen, entwickelt gemeinsam maßgeschneiderte Vorsorge- und Sicherheitskonzepte für die Betriebe. Die Versicherungsgruppe zählt heute über 1.000.000 Verträge.

 

Im Detail stellte Bögner den „Deutschen HandwerkerSchutz“ mit seinen einzelnen Bausteinen vor. Diese umfassen Gebäude, Maschinen, Inhalt, Betriebshaftpflicht und Elektronik – also umfassenden Schutz des gesamten Inventars inklusive Waren und Vorräte z.B. gegen Feuer oder Sturm, Zerstörung, Beschädigung oder technische Defekte. Der Versicherungsfachmann hat die Erfahrung gemacht: „In einer Firma können Schäden schnell passieren. Sie entstehen meist plötzlich und unerwartet. Das kann auf einen Schlag die Grundlage Ihrer Arbeit vernichten.“

 

Wie wichtig eine Geschäftsgebäude-Versicherung ist, machte er an Beispielen aus der Schadenspraxis deutlich: Ein Kurzschluss in einem Aggregat löst einen Brand aus, der große Teile der Produktionsräume zerstört. Die finanziellen Folgen solcher Schäden seien oft enorm und könnten ohne ausreichenden Schutz die Existenz eines Betriebs gefährden. Schließlich sei das Betriebsgebäude „das Herzstück eines jeden Unternehmens“. Eine passende Gebäudeversicherung sichere gegen solche Risiken ab und übernehme die Kosten für Reparatur bzw. Wiederaufbau. Um einer Unterversicherung eines Geschäftsgebäudes entgegenzuwirken, empfahl Bögner den Schreinern, den Gebäudeschutz von einem Underwriter des Münchener Vereins kostenlos prüfen zu lassen.

 

www.schreinerinnung-mittelfranken-mitte.de


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